Versicherer aus dem Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) halten einen großen Teil ihrer Wertpapieranlagen innerhalb dieses Wirtschaftsraums. Nach einem am 14. Oktober 2026 veröffentlichten Faktenblatt der europäischen Versicherungsaufsicht EIOPA entfielen Ende 2025 insgesamt 38,2 Prozent der untersuchten Bestände auf das jeweilige Heimatland und weitere 33,9 Prozent auf andere EWR-Staaten. Zusammen sind das 72,1 Prozent. Die Auswertung betrifft Staatsanleihen, Unternehmensanleihen und Aktien im Gesamtwert von rund 7,9 Billionen Euro.
Die entscheidende Grenze der Zahl
Die 7,9 Billionen Euro sind nicht mit sämtlichen Kapitalanlagen der Branche gleichzusetzen. EIOPA beziffert deren Gesamtvolumen für 2025 auf 9,9 Billionen Euro. Rund zwei Billionen Euro bleiben außerhalb des Faktenblatts, darunter Immobilien, Kredite, Einlagen und bestimmte strukturierte Anlagen. Der ausgewiesene EWR-Anteil bezieht sich damit auf die untersuchten Wertpapiere, nicht auf das gesamte Anlagevermögen.
Berücksichtigt werden sowohl direkt gehaltene Wertpapiere als auch Anlagen über Fonds. Soweit möglich, blickt EIOPA dabei durch die Fondshülle auf die zugrunde liegenden Anlagen. Entscheidend ist also nicht allein, wo ein Fonds aufgelegt wurde, sondern welchen Emittenten die Wertpapiere zugeordnet werden können. Grundlage sind die jährlichen Solvency-II-Meldungen einzelner Unternehmen für 2025.
Die Größenordnungen in drei Zeilen
Anteile: EIOPA. Eurobeträge: eigene Näherungsrechnung.
Methodik: eigene Näherungsrechnung von Klaramba mit dem gerundeten Gesamtbestand von 7,9 Billionen Euro, jeweils multipliziert mit dem veröffentlichten Anteil. Die Ergebnisse sind auf zwei Nachkommastellen gerundet; sie sind keine zusätzlich von EIOPA veröffentlichten exakten Teilbestände.
Frankreich und Deutschland: Was der Ländervergleich tatsächlich misst
Außerhalb des EWR liegen 27,9 Prozent der erfassten Wertpapierbestände. Etwa die Hälfte dieses außerhalb des EWR angelegten Anteils entfällt nach EIOPA auf US-Wertpapiere. Dabei spielen Aktien eine besonders große Rolle.
Die erste Seite des Faktenblatts erlaubt einen konkreten Ländervergleich: In Wertpapieren französischer Emittenten stecken 1.580 Milliarden Euro, in denen deutscher Emittenten 985 Milliarden Euro. Der Abstand beträgt damit 595 Milliarden Euro. Beide Werte umfassen die untersuchten Bestände aller EWR-Versicherer Ende 2025, einschließlich der soweit möglich durchgeschauten Fondsanlagen. Sie beschreiben die Herkunft der Emittenten – nicht die Größe der französischen oder deutschen Versicherungsbranche.
Gerade dieser Unterschied verhindert einen falschen Schluss: Aus den 985 Milliarden Euro in deutschen Wertpapieren lässt sich nicht ablesen, wie viel deutsche Versicherer im Heimatland anlegen. Dafür müsste man zusätzlich den Sitz des jeweiligen Versicherers kennen. Auch eine Risikobewertung folgt aus dem Ländervergleich allein nicht; sie würde unter anderem Laufzeiten, Währungen, Absicherungen und die Verpflichtungen gegenüber Kunden benötigen.
Was sich für die Branchenbeobachtung daraus ergibt
Ein hoher EWR-Anteil bedeutet nicht automatisch geringe Konzentration: Auch innerhalb dieses Wirtschaftsraums können Anlagen von denselben Staaten, Branchen oder Emittenten abhängen. Für die Branchenbeobachtung sind deshalb neben der regionalen Verteilung auch die im Faktenblatt dargestellten wichtigsten Emittentenländer relevant.
Das Faktenblatt stellt außerdem die Entwicklung fondsgebundener Portfolios gesondert dar. Ihre Zusammensetzung darf nicht mit den Anlagen für garantierte Leistungen gleichgesetzt werden. Die Statistik liefert einen Marktüberblick; für einen konkreten Vertrag sind die Bedingungen und der jeweilige Risikoträger zu prüfen.
Neue Veröffentlichung, älterer Datenstand
Die Veröffentlichung vom Oktober 2026 beschreibt Bestände Ende 2025. Unterschiede zu EIOPAs Quartalsstatistik können aus der umfassenderen Jahresmeldung, dem Durchschauen von Fonds und späteren Datenkorrekturen entstehen. Wer Reihen vergleicht, sollte deshalb Berichtszeitpunkt und Methodik nebeneinanderlegen.
Quellenhinweis
Dieser Beitrag verwendet Material, das von der EIOPA-Website heruntergeladen und für Klaramba redaktionell zusammengefasst und eingeordnet wurde. EIOPA billigt diese Veröffentlichung nicht und haftet weder für Verletzungen von Urheberrechten oder anderen Rechten des geistigen Eigentums noch für Schäden, die Dritten durch diese Veröffentlichung entstehen. Die Originalquellen sind bei EIOPA kostenlos zugänglich.
Quellen & weiterführende Links
- Quelle: EIOPA – European Insurance and Occupational Pensions Authority; Mitteilung vom 14.10.2026
- EIOPA: Faktenblatt zu Wertpapierbeständen und Länderzuordnung, Datenjahr 2025
- EIOPA: Versicherungsstatistiken und methodische Hinweise
Stand: 23. Oktober 2026. Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Beratung.
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